Verschwundene Dörfer
Orte, an denen einst Häuser, Schulen, Kirchen und Gasthäuser standen, werden heute langsam vom Wald und von Wiesen verschlungen. Die verschwundenen Dörfer des Böhmischen Waldes laden zu einer einzigartigen Reise in eine Landschaft ein, die nicht spurlos verschwunden ist – ihre Geschichten bleiben in den Ruinen, alten Bäumen und Wegen verborgen, die durch die ehemaligen Dörfer führen.
In den Grenzwäldern des Böhmischen Waldes sind nach dem Zweiten Weltkrieg Dutzende von Dörfern und Siedlungen verschwunden. Nach der Vertreibung der ursprünglichen Bewohner und der Einrichtung einer streng bewachten Grenzzone wurden viele von ihnen nach und nach abgerissen, und die Natur begann, ihre Spuren zu verwischen. Heute findet man anstelle der ehemaligen Häuser nur noch Mauerreste, überwucherte Fundamente, alte Brunnen, kleine Teiche, Kreuze oder mächtige Bäume, die als Einzige an die ursprünglichen Bewohner erinnern.
Der eindrucksvollste Ort ist Lučina (Grafenried) bei Nemanice, wo es gelungen ist, die Überreste einer Kirche, einer Schule, eines Gasthauses, einer Brauerei und weiterer Gebäude freizulegen und einen Lehrpfad anzulegen, der den Besucher durch das ehemalige Herz der Gemeinde führt. Ebenso beeindruckend sind die Überreste von Pleše, Bystřice, Křížová Huť oder anderer verschwundener Siedlungen, die über die Landschaft verstreut liegen.
Eine Wanderung durch verschwundene Dörfer ist kein klassischer Ausflug zu Sehenswürdigkeiten. Es ist vielmehr eine Suche nach dem, was fast nicht mehr zu sehen ist – und genau darin liegt ihr Reiz. Stille Waldwege, alte Obstbäume und unscheinbare Ruinen erinnern daran, dass der Böhmische Wald einst eine viel dichter besiedelte Landschaft war. Am besten offenbart sich die hiesige Atmosphäre im Frühling und im Herbst, wenn die Vegetation die Überreste der alten Siedlungen noch nicht so stark verdeckt.